Warum ich Akzeptanz male und was das mit Kintsugi zu tun hat
Es gibt einen Moment, in dem man aufhört, das Gebrochene zu verstecken.
Man gibt es nicht auf, sondern weil man begreift, dass die Bruchstellen nicht das Ende der Geschichte sind, sondern ihr eigentlicher Inhalt.
Genau das beschreibt Kintsugi. Die japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren. Nicht unsichtbar, nicht kaschiert. Sichtbar. Mit Würde.
Ich male seit vielen Jahren. Zuerst als Ausgleich, als Selbstregulation in einem Leben, das viel von mir verlangt hat. Irgendwann wurde aus dem Ausgleich eine Untersuchung. Und aus der Untersuchung ein Lebensthema: Akzeptanz.
Akzeptanz ist kein passiver Zustand
Das ist das größte Missverständnis. Akzeptanz klingt nach Aufgeben, nach Resignation. Nach dem Satz: "Ich kann es sowieso nicht ändern."
Aber das ist nicht, was ich meine. Und es ist nicht, was ich male.
Akzeptanz ist eine Haltung. Eine aktive Entscheidung, sich selbst, anderen und dem Leben gegenüber nicht im permanenten Widerstand zu stehen. Sie ist die Voraussetzung für alles, was danach kommt.
In meiner Arbeit untersuche ich Akzeptanz in drei Dimensionen:
Selbstakzeptanz: die Fähigkeit, sich selbst ohne Urteil zu sehen. Sie ist das Fundament. Wer sie hat, braucht weder fremde Bestätigung noch Schutz vor Ablehnung.
Soziale Akzeptanz: wie wir uns im Blick anderer verformen oder behaupten. Welche Stimmen wir zulassen. Welche uns lenken, ohne dass wir es merken. Aber auch die andere Richtung: wie wir selbst ausgrenzen, urteilen, abstoßen aus eigener Unsicherheit. Wer sich nicht akzeptiert, kann andere kaum ertragen.
Schicksalsakzeptanz: das Ja zu dem, was sich nicht ändern lässt, als Haltung, die Kraft freisetzt.
Diese drei Dimensionen sind kein getrenntes Thema. Sie sind ein Kreislauf. Und sie laufen in einem Punkt zusammen: Wer sich selbst akzeptiert, findet in beiden anderen Dimensionen automatisch Boden.
Warum Öl. Warum Gold.
Ich arbeite ausschließlich in Öl und Gold. Das ist keine Ästhetik-Entscheidung. Es ist eine inhaltliche.
Öl braucht Zeit. Es trocknet langsam, es verändert sich, es baut Schichten. Genauso wie Akzeptanz. Sie entsteht nicht in einem Moment. Sie ist ein Prozess, der sich in die Tiefe gräbt.
Gold markiert die Stellen, an denen etwas sichtbar wird. In der byzantinischen und christlichen Ikonografie steht Gold für das Transzendente, das Unvergängliche. In Kintsugi steht es für die Würde des Gebrochenen.
In meinen Bildern steht es für beides. Die Risse sind nicht Makel. Sie sind der Beweis, dass jemand gelebt hat.
Was Corona damit zu tun hat
Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich diesen Kontext weglassen würde.
Die Pandemie hat etwas freigelegt, das schon lange da war: wie schlecht wir als Gesellschaft mit Anderssein umgehen. Wie schnell Ausgrenzung entsteht, wenn Unsicherheit regiert. Wie wenig soziale Akzeptanz wir füreinander aufbringen, wenn wir selbst Angst haben.
Das hat mich nicht losgelassen. Es hat meine Untersuchung geschärft und ihr eine gesellschaftliche Dimension gegeben, die über das Persönliche hinausgeht.
Akzeptanz ist kein privates Thema. Sie ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit.
Meine Serien folgen dieser Logik.
Jede Arbeit ist eine Frage. Das Gesamtwerk ist die Antwort.
Wenn du mehr sehen möchtest, die Werke, die Serien, die Gedanken dahinter, findest du alles hier auf der Website.
Oder schreib mir direkt. Ich führe diese Gespräche gerne.
Ich arbeite in meinem Atelier in Nürnberg, wo meine Serien entstehen, Schicht für Schicht, in Öl und Gold.
Sonia Gonze