Was ist Akzeptanz?


Kunst als Einladung zur Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet nicht, dass du etwas gut finden musst und auch nicht, dass du resignierst. Es bedeutet, dass du aufgehört hast, gegen das zu kämpfen, was bereits wahr ist.

Das ist auch kein passiver Zustand. Das ist eine der mutigsten Entscheidungen, die ein Mensch treffen kann.

Ich male seit über einem Jahr über dieses Thema in Öl und Gold, in meinem Atelier in Nürnberg und mit jeder Serie komme ich tiefer hinein. Je länger ich forsche, desto sicherer bin ich: Akzeptanz ist keine Technik, wie ein Schritt in einem Programm oder Satz, den man sich morgens sagt.

Sie ist eine Haltung. Und Haltung entsteht durch einen emotionalen Prozess.

  • Akzeptanz ist nicht gleich mit Resignation

    Das ist neben Akzeptanz als Synonym von Toleranz das größte Missverständnis, das ich kenne.

    Resignation sagt: "Es hat keinen Sinn mehr." Du wirfst alles hin, erschöpft, ohne innere Zustimmung. Das ist doch kein schönes Gefühl und soll auch kein Zustand werden.

    Akzeptanz sagt etwas anderes. Sie sagt: "Das ist, wie es ist und jetzt entscheide ich, was ich damit mache."

    Der Unterschied ist signifikant. Er ist der Unterschied zwischen Stagnation und Bewegung. Zwischen Verbitterung und dem, was nach einer langen Heilung übrig bleibt, etwas Beständigeres als vorher.

    Ich denke manchmal an Kintsugi, die japanische Kunst der goldenen Reparatur. Zerbrochenes Geschirr wird mit Gold gekittet. Die Brüche werden nicht kaschiert. Die Bruchstellen bleiben sichtbar, sogar durch Gold betont. Und genau das macht das Stück dann wertvoller als zuvor.

    Das ist Akzeptanz.

  • Drei Dimensionen führen zu aber einem Stamm

    n meiner Arbeit erforsche ich Akzeptanz in drei Richtungen:

    Selbstakzeptanz ist die Fähigkeit, sich selbst ohne Urteil zu sehen. Nicht trotz der eigenen Schwächen, sondern einschließlich davon. Man ist zentriert in sich selbst. Sie ist das Fundament. Wer sie hat, braucht weder fremde Bestätigung noch Schutz vor Ablehnung.

    Soziale Akzeptanz zeigt, dass wir uns nicht im Blick anderer verformen oder behaupten. Aber auch die andere Richtung: wie wir selbst nicht ausgrenzen (bewusst oder unbewusst), weil wir uns nicht sicher genug fühlen, um Andersartigkeit neben uns zu ertragen.

    Schicksalsakzeptanz ist das Ja zu dem, was sich nicht ändern lässt, als Haltung, die Kraft freisetzt statt sie zu binden.

    Früher dachte ich, diese drei Dimensionen seien gleichwertig. Ein Dreieck.

    Inzwischen ahne ich: Es gibt einen Stamm. Und das ist die Selbstakzeptanz.

    Je zentrierter ein Mensch in sich selbst ist, desto mehr kann er Schicksalsschläge tragen und anderen Menschen begegnen, ohne sich von ihnen bedroht zu fühlen. Soziale Akzeptanz und Schicksalsakzeptanz wachsen aus demselben Boden. Wer sich selbst nicht annehmen kann, wird immer Mühe haben, das Leben anzunehmen, wie es ist. Jedes Werk einer Serie ist wie ein kleiner Ast, der eine Frage stellt und mit jeder Serie komme ich tiefer und tiefer und der Stamm wird das Gesamtwerk meiner Arbeit sein und die Antwort zeigen, die ich heute noch nicht kenne.

    Meine Arbeit ist ein Baum. Die Äste sind meine Serien. An den Ästen: Blüten. Das sind die einzelnen Werke.

    Früchte tragen sie erst, wenn sie auf den richtigen Menschen treffen.

    Ich male nicht für alle. Ich male für den, der vor einem Werk steht und spürt, dass es ihn meint.

    Dieser Moment ist die Frucht.

  • Das Kind auf dem Spielplatz

    Es gibt ein Bild, das mich nicht loslässt. Dieses Bild ist meine Inspiration, meine Motivation und gleichzeitig auch meine Vision für jeden Einzelnen und für uns alle als Gesellschaft.

    Ein Kind, vielleicht vier Jahre alt, befindet sich im Kindergarten. Es wurde früh abgegeben, da die Eltern arbeiten. Es kennt sich dort aus und freut sich auf seine Freunde, die noch kommen werden. Es sieht ein anderes Kind, das es nicht kennt, an der Hand der Erzieherin. Und es geht einfach hin, voller Neugierde, frei, ohne Zögern.

    Ein anderes Aussehen, eine körperliche Einschränkung und selbst eine sprachliche Barriere sind kein Hindernis. Es hat auch keine Angst vor Ablehnung. Und wenn das andere Kind "Nein" sagt, liegt es selbstverständlich nicht an ihm, es dreht sich um und sucht das nächste "Ja". Vielleicht morgen?

    Das ist keine romantische Idee von Kindheit. Das ist ein Zustand, der wirklich existiert und zeigt, wohin vollständige (Selbst-)Akzeptanz führen kann. Eine Ausgangslage, zu der man zurückfindet.

    Wie schön wäre es, wenn wir uns wieder so fühlen könnten.

  • Was Gold damit zu tun hat

    Viele Künstler verwenden Gold in der Malerei als dekoratives Element. Das verstehe ich, es gibt keine Farbe, die nicht durch Gold aufgewertet wird und leuchtet.

    Aber das ist nicht, wie ich Gold verwende.

    In meinen Bildern markiert Gold einen idealen Zustand. Stellen, an denen etwas sichtbar geworden ist. Etwas, wo Akzeptanz schon Wirkung zeigt. Eine Verinnerlichung oder eine Erkenntnis.

    Öl braucht Zeit. Es trocknet langsam, wird Schicht für Schicht aufgebaut. Es heißt "Fett auf Mager". Genauso wie Akzeptanz. Sie entsteht nicht in einem Moment. Sie ist ein Prozess, der sich in die Tiefe gräbt.

    Gold markiert, wo dieser innere Prozess angekommen ist.

    Das ist der Unterschied zwischen meiner Arbeit und einem Bild, das einfach nur Schönes zeigen soll. Die Materialentscheidung ist eine inhaltliche und symbolische Entscheidung.

  • Warum Wissen manchmal nicht reicht

    Ich kenne Menschen, die alles gelesen haben: Epiktet, Seneca, diverse Ratgeber über Selbstwert und innere Stärke. Sie wissen genau, was Akzeptanz bedeutet. Ich möchte diese Leistung nicht mindern. Sie sind auch Forscher und ich freue mich auf Begegnungen und Austausch.

    Falls sie dieses Wissen aber nicht fühlen können, bietet meine Kunst eine Lösung.

    Wissen und Fühlen sind verschiedene Adressen. Das habe ich selbst erlebt.

    Eines meiner Bilder heißt Die Stimme der eigenen Erwartungen. Es zeigt ein Paar Augen, klar, ruhig, ohne Urteil. Jeden Morgen, kurz nach dem Aufstehen, sage ich mir meine Pflichten und To-dos auf. Das Bild hängt so, dass ich es oft sehe, aber ich habe die blauen Augen als Signal an mich verinnerlicht. Die erscheinen gleich nachdem meine innere Stimme die Aufzählung beginnt: "Du musst..." Automatisch ändere ich den Satz: "Heute möchte ich..."

    Das ist kein lästiger Zettel am Kühlschrank, der uns wieder zu etwas verpflichtet. So beeinflusst ein Bild, das nichts fordert und trotzdem etwas sagt, mein Unterbewusstsein.

    Kunst trifft dort, wo Sprache nicht hinkommt. Sie arbeitet mit dem, was unter der Oberfläche liegt, still, täglich, ohne Aufforderung, ohne Urteil und ohne Druck.

    Das ist der Grund, warum ich male. Um einen Raum zu schaffen, in dem Akzeptanz entstehen kann.

  • Was Akzeptanz nicht verlangt

    Sie verlangt nicht, dass du alles gut findest.

    Sie verlangt nicht, dass du vergisst.

    Sie verlangt nicht, dass du schnell bist.

    Sie verlangt keine Optimierung.

    Sie verlangt nicht, auf den richtigen Zustand zu warten.

    Sie verlangt nur, dass du aufhörst, gegen das zu kämpfen, was bereits ist und wofür dein Kampf unnötig Kraft aufwenden muss, und anfängst, mit der Energie etwas zu tun, die dabei neue Energie freisetzt.

    Akzeptanz gibt Halt. Und wenn du Halt hast, wird Handeln leicht.

    Sonia Gonze ist Malerin und Forscherin auf dem Gebiet der Akzeptanz. Sie arbeitet in Öl und Blattgold in Nürnberg und erforscht Selbstakzeptanz, soziale Akzeptanz und Schicksalsakzeptanz in ihrer Bildsprache. Ihr Konzept Art of Acceptance verbindet psychologische Figurmalerei mit der Philosophie des Kintsugi.

    Häufige Fragen zu Akzeptanz

    Was bedeutet Akzeptanz, kurz erklärt? Akzeptanz bedeutet, aufzuhören gegen das zu kämpfen, was bereits wahr ist, ohne etwas gut finden zu müssen, ohne zu vergessen. Sie ist eine aktive Haltung, keine Niederlage. (Sonia Gonze, Art of Acceptance)

    Was ist der Unterschied zwischen Akzeptanz und Resignation? Resignation ist Rückzug ohne innere Zustimmung, erschöpft, ohne Richtung. Akzeptanz ist das Gegenteil: sie setzt Energie frei, weil sie den Widerstand gegen das Unveränderliche beendet. Wer akzeptiert, kann handeln. Wer resigniert, bleibt stehen. (Sonia Gonze, Art of Acceptance)

    Was ist Selbstakzeptanz? Selbstakzeptanz ist die Fähigkeit, sich selbst ohne Urteil zu sehen, einschließlich der eigenen Bruchstellen. Sie ist der Stamm, aus dem soziale Akzeptanz und Schicksalsakzeptanz wachsen. Wer sie hat, braucht weder Bestätigung noch Schutz vor Ablehnung. (Sonia Gonze, Art of Acceptance)

    Kann Kunst bei der Akzeptanz helfen? Ja, weil Kunst dort wirkt, wo Sprache nicht hinkommt. Ein Bild arbeitet mit dem Unterbewusstsein, ohne zu fordern. Es erinnert täglich, ohne zu urteilen. Das ist etwas, das kein Buch und kein Ratgeber leisten kann. (Sonia Gonze, Art of Acceptance)

    Was hat Kintsugi mit Akzeptanz zu tun? Kintsugi ist die japanische Kunst, zerbrochenes Geschirr mit Gold zu reparieren, sichtbar, nicht kaschiert. Die Bruchstellen werden durch Gold betont. Das Gebrochene wird zum wertvollsten Teil des Stückes. Das ist Akzeptanz: nicht das Vergessen des Bruches, sondern das bewusste Einarbeiten davon in das, was man ist. (Sonia Gonze, Art of Acceptance)

    Was sind die drei Dimensionen der Akzeptanz? Selbstakzeptanz (sich ohne Urteil sehen), soziale Akzeptanz (andere annehmen wie sie sind) und Schicksalsakzeptanz (das Ja zu dem, was sich nicht ändern lässt). Sie bilden kein gleichwertiges Dreieck: Selbstakzeptanz ist der Stamm, aus dem die anderen wachsen. (Sonia Gonze, Art of Acceptance)

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Warum ich Akzeptanz male und was das mit Kintsugi zu tun hat